Pansexualität: Manchmal fehlt uns einfach das Wort dafür
Gillian Anderson spricht offen über ihre Sexualität – und damit über ein Thema, das weit über Promi-Schlagzeilen hinausgeht.
Die Schauspielerin Gillian Anderson, bekannt aus Akte X und Sex Education, hat sich öffentlich als pansexuell bezeichnet. Ihre Geschichte macht einen Gedanken sichtbar, der mir in meiner Arbeit als Paar- und Sexualberaterin wichtig ist: Manchmal ist nicht die Sexualität neu, sondern das Wort dafür.
Ich durfte als Expertin für den Sonntags-KURIER über Pansexualität, gesellschaftliche Vorstellungen von Sexualität und die Frage sprechen, warum es Menschen manchmal schwerfällt, ihre eigene Anziehung einzuordnen.

Was bedeutet Pansexualität eigentlich?
Vereinfacht gesagt: Bei pansexuellen Menschen ist das Geschlecht oder die Geschlechtsidentität eines Menschen nicht das entscheidende Kriterium dafür, ob Anziehung entstehen kann. Sie können sich zu Menschen unterschiedlicher Geschlechter sexuell oder romantisch hingezogen fühlen.
Das bedeutet nicht, dass sie alle Menschen attraktiv finden oder automatisch eine offene Beziehung führen möchten. Wen wir anziehend finden, mit wem wir Sex haben möchten und wie wir eine Beziehung leben wollen, sind unterschiedliche Dinge.
Auch zwischen Pansexualität und Bisexualität gibt es keine starre Grenze. Manche Menschen erleben die Begriffe als ähnlich, andere verbinden damit unterschiedliche Erfahrungen. Entscheidend ist, welche Bezeichnung für die eigene Erfahrung passt.
Mehr Sichtbarkeit – aber nicht unbedingt mehr Pansexualität
Wenn heute mehr Menschen Begriffe wie pansexuell verwenden, heißt das nicht automatisch, dass diese Form der Anziehung häufiger geworden ist. Vielleicht gibt es heute mehr Wissen, mehr Vorbilder und mehr Möglichkeiten, die eigenen Erfahrungen zu benennen.
Wenn eine bekannte Person offen über ihre Sexualität spricht, kann das für andere ein Moment des Wiedererkennens sein: So kann man das also auch beschreiben.
Und manchmal braucht es Zeit, bis wir Worte für etwas finden, das wir längst empfinden.
Sexualität passt nicht immer in eindeutige Kategorien
In meiner Arbeit erlebe ich, wie wichtig es sein kann, die eigenen Empfindungen besser zu verstehen. Dabei muss nicht immer ein bestimmtes Label herauskommen. Manchmal geht es zunächst um ganz einfache Fragen: Was zieht mich eigentlich an? Was fühlt sich für mich stimmig an? Und was habe ich bisher vielleicht einfach als selbstverständlich angenommen?
Wir müssen auch nicht jede Anziehung sofort erklären oder einer eindeutigen Kategorie zuordnen. Es darf Raum geben, die eigenen Empfindungen erst einmal wahrzunehmen und besser kennenzulernen.
Sexualität darf sich weiterentwickeln
Wir lernen Radfahren, Schwimmen und Autofahren – aber wie wir unsere eigene Sexualität gut gestalten können, bringt uns kaum jemand bei. Dabei können wir auch darin dazulernen, Neues entdecken und unsere Sexualität ein Leben lang weiterentwickeln.
Für mich ist das ein wichtiger Teil sexueller Selbstbestimmung: sich selbst besser kennenzulernen, eigene Bedürfnisse ernst zu nehmen und herauszufinden, was sich persönlich gut und stimmig anfühlt. Ohne Druck, ohne Schubladen und ohne die Erwartung, auf alles sofort eine Antwort haben zu müssen.
Das vollständige Interview ist im Sonntags-KURIER am 11.10.2026 erschienen.



